headerbild moebel

Die Geschichte der Schreiner Innung Wiesbaden-Rheingau-Taunus

Vorstand

Die Geschichte der Schreiner-Innung läuft parallel zur Entwicklung Wiesbadens und seiner Umgebung. Die kleine Landstadt bot um 1800 nur wenigen Brot und Arbeit. Als aber dann Wiesbaden zur Residenzstadt der Herzöge von Nassau wurde und der Kurbetrieb einen ungeahnten Aufschwung nahm, hatte auch das Schreinerhandwerk seine große Chance. Nicht nur Wiesbadener, sondern auch auswärtige Schreinermeister machten sich selbständig und kamen so zu Ansehen und Wohlstand. 1876 gab es hier bereits fast zweihundert Schreinerwerkstätten.

Um diese Zeit wurden Deutschlandweit viele Handwerksinnungen gegründet, so 1884 auch die Schreiner-Innung Wiesbaden. Die Gründungsversammlung fand am 19. Dezember 1884 mit 76 Schreinermeistern statt, gleichzeitig wurde der Gesellenausschuss ins Leben gerufen. Die Schreiner-Innung wirkte auch bei der Gründung der Innungskrankenkasse mit, um die ärztliche Betreuung der Meister, Gesellen, Lehrlinge und deren Angehörigen abzusichern.

 

Die Statuen der Schreiner-Innung legten in 74 Paragraphen alle Ziele fest, die größtenteils heute noch gelten. Neben der Hauptaufgabe Gewerbeförderung, „die Vervollkommnung der Gewerbebetriebe" wie es damals hieß, waren die handwerkliche und fachliche Beratung der Mitgliedsbetriebe, der Abschluss von Tarif- und Lehrverträgen, die Betreuung der Auszubildenden bis zur Prüfung und die Förderung des Gemeinschaftsgeistes sowie des gesellschaftlichen Lebens weitere Aufgaben. Hierzu gehört auch die Betreuung der bereits ausgeschiedenen älteren Kollegen und deren Frauen.

Interessant ist, dass laut Paragraphen 12 der damaligen Satzung kein Mitglied, welches das 60. Lebensjahr noch nicht überschritten hatte, eine Wahl zu einem Innungsamt ablehnen durfte.

Am 16. April 1885 wurde der 1. Vorstand gewählt, der die vorher bis zur königlichen Genehmigung Bevollmächtigten Heinrich Schneider und H.J. Wiederspahn, ablöste. Erster Obermeister wurde H.J. Wiederspahn. Der Vorstand bestand 1885 aus den Herren Heinrich Schneider, Wilhelm Löw, Anton Müller, Philipp Moog, Louis Hanson, August Limbarth, Heinrich Schlicht und Karl Kihsling.

Urkunde

Die schon damals hervorragende Arbeit der Schreiner-Innung Wiesbaden wurde in ganz Deutschland bekannt, so dass die Innung schon 1887 den 4. Deutschen Tischlertag ausrichten durfte. Diese Veranstaltung fand in den Räumen des Hotels Hahn in der Spiegelgasse statt. 1891 wurde Heinrich Schneider zum Obermeister der Innung gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis zum Jahr 1922 und wurde auf Grund seiner Verdienste zum Ehrenobermeister ernannt. Die Schreiner-Innung stellte von 1900 bis 1910 mit Heinrich Schneider auch den Präsidenten der Handwerkskammer.

Nachdem Heinrich Schneider sein Amt nach fast 32 Jahren im Alter von 75 Jahren abgab, übernahm G. Moog das Obermeisteramt, bis er 1934 von Eduard Frei abgelöst wurde. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm Georg Vogler das Amt des Obermeisters in einer sehr schwierigen Zeit. Er wurde für sein Wirken zum Ehrenobermeister der Innung ernannt. Die Obermeister A. Dernbach und W. Fetz traten seine Nachfolge an, bevor 1956 Willi Bauer Obermeister wurde. Im Februar 1970 wurde Otto-Erich Krumschmidt Obermeister.

Mit der Gebietsreform wurden am 2. Februar 1971 die im Jahr 1919 im Rheingau und 1921 im Untertaunus als Zwangsinnungen gegründeten Handwerksorganisationen zur heutigen Groß-Innung zusammengelegt. Weitsichtige Obermeister, aus dem Rheingau Karl Heinz Magnus und Arnold Beck aus dem Taunus, machten dies möglich. Die langjährigen Obermeister, aus dem Rheingau Joseph Statzner aus Hattenheim und August Dauer aus Schlangenbad, waren beide zu Ehrenobermeister ernannt worden. 1973 wurde Erich Krumschmidt Landesinnungsmeister des Fachverbandes Holz und Kunststoff Hessen und gab sein Obermeisteramt 1974 an Herrn Karl Heinz Magnus ab. Die Innung stellte mit Herrn Krumschmidt von 1980 bis 1994 einen Vizepräsidenten der Handwerkskammer.Die Schreiner-Innung, an deren Spitze seit 1986 Gerd Michel als Obermeister stand, ist seit 1992 in der baden-württembergischen Fördergesellschaft für das Handwerk organisiert und damit indirektes Mitglied der Landesinnung für das Schreinerhandwerk de südlichen Nachbarlandes, von der sie wesentliche Impulse empfängt.

So entwickelte sich die Schreiner-Innung Wiesbaden-Rheingau-Taunus zu einer der größten Innungen in Hessen. Durch den Zusammenschluss ist ihre Stellung nach innen und außen gefestigt genug, um Gehör bei der Durchsetzung der berufsständischen Interessen zu finden. Dies gilt auch für ihre auswärtigen Beziehungen, die mit Schwesterinnungen in anderen Städten unterhalten werden, so unter anderem mit Karlsruhe, Stuttgart, Lübeck Husum, um nur einige zu nennen. Der Partner-Innung Görlitz und deren Handwerksbetrieben wurde nach der politischen Wende von den Mitgliedern der Innung Wiesbaden-Rheingau-Taunus selbstlose Hilfe beim Wiederaufbau geleistet.

Die Sicherheit der Arbeitsplätze im Schreinerhandwerk liegt auch am mittelständischen Denken der Schreinermeister, die sich mit ihren Mitarbeitern verbunden fühlen. In den Betrieben des Schreinerhandwerks käme niemand auf den Gedanken, Mitarbeiter mit 55 oder 60 Jahren in den Vorruhestand zu schicken. Im Gegenteil, das Schreinerhandwerk ist der Auffassung, nicht auf die Erfahrung und das Können der älteren Mitarbeiter, die sehr geschätzt werden, verzichten zu können. Dies auch vor allem, weil die Ausbildung der Lehrlinge auf dem Wissen der älteren Meister und Gesellen aufgebaut ist.

Dass der Schreinerberuf heute bei jungen Leuten so gefragt ist, ist nicht selbstverständlich, sondern der Erfolg einer jahrelangen sorgfältigen Ausbildung des Berufnachwuchses. Zum insgesamt guten Niveau der Ausbildung tragen die Mitgliedsbetriebe direkt und indirekt bei. Die Innung trägt die Kosten für Kurse aller Art, Wettbewerbe und Fachveranstaltungen für Meister, Gesellen und Lehrlinge.

Jährliche Fahrten mit den Schreiner-Tours, eine Fülle von gesellschaftlichen Veranstaltungen mit dem Ziel, Kollegialität zu fördern, runden die Aktivitäten dieser Innung ab, die seit ihrer Gründung 1884 das ganze Auf und Ab der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen überlebt hat.Nach fast 40 Jahren Einsatz und Vorstandarbeiten für das Handwerk in der Schreiner-Innung Kreishandwerkerschaft und Handwerkskammer, davon 18 Jahre als Obermeister, übergab Gerd Michel sein Obermeisteramt im Jahre 2004 an den Schreinermeister Ralf Lenz am Heidenrod-Zorn. Die Mitglieder der Schreiner-Innung Wiesbaden-Rheingau-Taunus wählten Gerd Michel auf Grund seiner Verdienste um die Innung zum Ehrenobermeister.

Ralf Lenz setze die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fort und gründete im Jahr 2006 einen Förderkreis "Ausbildung/ Weiterbildung". Diesem Förderkreis gehören regionale Lieferanten und Dienstleister an. In diesem Zuge wurde ein neues Innungslogo entworfen. Alle Innungsbetriebe und die Förderkreismitglieder können mit diesem Schild ihre Zugehörigkeit zur Schreiner-Innung demonstrieren.